Exkursion Türkismühle am 27. Sept. 2006
Teilnehmer: Armin Groß, Hans Werner Graß, Winfried Schmitt, Peter Barth, Daniel Groß und Karla Schött
Nicht immer fällt der Exkursionszeitpunkt mit einer guten
Pilz-Fruktationsphase so optimal zusammen wie bei dieser Exkursion in
Türkismühle.
Unsere Exkursionsliste spiegelt nur einen kleinern Teil unserer Funde wieder.
Ein paar bemerkenswerte Arten haben wir hier noch in Wort und Bild festgehalten.
Fundliste: xls.Datei
Bemerkenswerte Funde:
Nyctalis asterophora, der Stäubende Zwitterling, oder auch
besser bekannt unter seinem alten Synonym als Aesterophora lycoperdoides, fanden
wir in großer Anzahl an zwei verschiedenen Stellen auf alten verfaulenden
Schwärztäublingen. Da wir nicht jedes Jahr das
Glück haben, diese im Saarland als RL3 eingestufte Art zu finden, nutzten wir
die Gelegenheit, die verschiedenen Entwicklungsstufen des Stäubenden Zwitterlings
im Bild festzuhalten. Auffallend sind die jung weißen Fruchtkörper, die sich
später durch die Chlamydosporen ockerlich bis braun verfärben.
Lactarius uvidus, der Klebrige Violettmilchling, war nicht nur für
Armin Groß, der seit mehreren Jahren besonders die Lactarien im Bereich
Türkismühle intensiver beobachtet, ein Neufund, sondern es dürfte für alle ein
Highlight dieser Exkursion gewesen sein. Wir fanden etwa 10 Fruchtkörper unter
Fichte, an einer +- feuchten Böschung unmittelbar neben dem Kappbach. Fotos und Exsikkat: GA, weitere Fotos: SW.
Lactaius repraesentaneus cf., der Zottige Violettmilchling, müssen wir
vorerst noch als ungeklärt festhalten. Durch seinen stark behaarten Rand ist
dieser große Violettmilchling in feuchten Fichten-Birkenwälder normalerweise
relativ einfach zu bestimmen, jedoch unsere Exemplare waren schon älter und
ziemlich matschig. Unsere Exemplare hatten kaum Randhaare, was aber bei
älteren Repaesentaneus-Funden nicht ungewöhnlich sein soll. Diese fehlende
Randbehaarung führte uns vor Ort in die wahrscheinlich falsche Richtung zu weiteren seltenen
gelben Violettmilchlingen, wie L. flavidus und L. aspideus, mit denen
wir jedoch kaum praktische Erfahrung haben. Im Nachhinein betrachtet, dürften
bzgl. Größe und Ökologie diese beiden Arten kaum noch in Frage kommen, zumal im
erweiterten Umfeld dieses Fundgebietes L. repraesentaneus ein festes Vorkommen
hat und somit sehr wahrscheinlich unsere gesuchte Art ist.
Da außer den Bildern noch Exsikkate vorhanden sind (>GA), sollte sich bei einem
der nächsten Mikroskopiertreffen unsere Vermutung mikroskopisch bestätigen lassen.
Tylopilus felleus (f?), der Gallenröhrling, sollte normalerweise kein
Anlass für eine fragliche Bestimmung sein, aber wir waren uns alle einig, dass
wir solche Gallenröhrlinge noch nie gesehen hatten. In einem größeren Umfeld mit
einem Massenvorkommen von "normalen" Gallenröhrlingen, fanden wir auf einer
Fläche von ca.10x10 m etwa 10 Arten mit einem fast orangefarbenen Hut, ähnlich wie
diverse Rotkappen und grün-olivlich angehauchte Stiele. Die rosafarbenen Röhren
ließen keinen Zweifel aufkommen, dass wir es nur mit einem Gallenröhrling zu tun
hatten, jedoch die angesprochenen Farben waren für uns alle mehr als
ungewöhnlich. Recherchen in der Gattung Tylopilus blieben bzgl. Varietäten und
Formen erfolglos.
Bzgl. der nachfolgenden Bilder noch der Hinweis, dass sie nicht nachbearbeitet
wurden, und die ungewöhnliche Farbzusammensetzung in der Natur eher
noch intensiver war.
Sollte jemand ähnliche Funde gemacht haben, würden wir uns über eine Rückmeldung
freuen.
Tricholoma vaccinum, der Bärtige Ritterling, sei hier noch erwähnt, weil
er die letzten Jahre im Saarland einen sehr starken Rückgangstrend zu verzeichnen
hat und zudem von uns relativ selten gefunden wird. Das eher seltene Vorkommen
im Saarland ist natürlich nicht verwunderlich, weil T. vaccinum eher ein
Pilz der Mittelgebirge ist. Sein Vorkommen hier bei Türkismühle in einem kleinen
Fichtenwald, zusammen mit diversen anderen Arten, bestätigt uns wieder, dass
dieser Bereich um Türkismühle einen leichten Mittelgebirgscharakter hat, obwohl
wir uns nur zwischen 400-500m bewegen.
(Ohne Bild)
Entoloma euchroum, der Violette Zärtling oder auch Violetter
Holzrötling, fanden wir an einem Holzstubben. Vor Ort konnten wir diese Art mit
den lebhaft blauen Lamellenschneiden und dem spermatischen Geruch nicht richtig
einordnen. Er ist einer der wenigen Holzbewohner der Gattung Entoloma. Bestimmt
wurde er nachträglich von Hans Werner Graß. Der Violette Zärtling gilt allgemein in Deutschland als
ziemlich selten und wird im Saarland als RL2 eingestuft, mit stark rückläufiger
Tendenz.