Hans- Werner Graß, Willi Marchina, Armin Nilles,
Winfried Schmitt, Peter Barth, Armin Groß, und Rita Kallfelz
Unsere Mikroskopiertage zwischen Winter und zumindest gefühltem Frühlingserwachen waren sehr angenehm
und mikroskopisch recht erfolgreich.
Wir überprüften einige persönliche Altlasten, noch nicht bestimmte Funde
von unserer Exkursion 2006 aus dem Mainzer Sand und
Frischmaterial von unserer Kurzexkursion bei Thailen, was im Pilzjargon gelegentlich als "Dreck am Stecken"
bezeichnet wird. Unsere Vereinswirtin Karla sorgte wie immer bestens für
unserer leibliches Wohl, so dass es uns an den 3 Tagen an nichts fehlte.
Bei der Arbeit
Pilzlerblick: Immer nach unten
Impressionen von Rita Kallfelz
Bearbeitete Funde:
Geastrum schmidelii, der Kleine Erdstern, im Vergleich zu Geastrum
pectinatum, dem Kamm-Erdstern, beide aus dem Mainzer Sand.
Hintergrund war der nicht unberechtigte Einwand, dass auf unserem
Exsikkat-Foto von G. schmidelii (>Bericht Mainzer Sand 2006) am Grunde der Endoperidie zumindest auf einer Seite eine Längs-Rippung bzw.
-Furchung ersichtlicht ist. Diese Längs-Rippung
deutet nach Literatur eher auf G. pectinatum als auf schmidelii hin.
Literatur: Kr Bd 2
S106+114, und Bauchpilze in der BRD Groß/Runge/Winterhoff S52.
Teilweise Längs-Rippung am Grunde der Endoperidie am Exsikkat
Ergebnis:
Unsere mikroskopische Nachprüfung ergab eindeutig Geastrum
schmidelii und bestätigte die makroskopische
Erstbestimmung 2006 von Daniel Groß. Wir verglichen dabei G.
schmidelii mit G. pectinatum (Exsikkat Peter Barth).
G.schmidelii: Sporen rundlich ca.4-5(5,5)ym, warzig, Ornamentation ca.
0,2-0,6ym
G. pectinatum: Sporen: ca. 4-6 (7)ym, gratförmig warzig, Ornamentation ca.0,5-1,3 (~1,5) ym.
Diese 1,5ym entspricht der max. Angabe bei D.N. Pegler "British Puffballs,
Earthstars and Stinkhorns /1995 Seite 90-91"
Wie in der Literatur übereinstimmend beschrieben, hatte G. schmidelli im Schnitt um ca. 1ym kleinere Sporen und vor allem eine
eindeutig kleinere Ornamentation als unser Vergleichs-Exsikkat pectinatum.
Nicht nur die Länge der Warzen waren bei pectinatum um ca. 0,5-1ym größer als
bei schmidelii, sondern zudem waren die Warzen bei pectinatum eindeutig gratförmig
abgeplattet, was bei schmidelii nicht festzustellen war. Interessant war
auch die keil- bis trapezförmige Form einiger Warzen
(Schmitt Winfried), die exakt der Abbildung bei D.N. Pegler entsprach.
Tulostoma brumale, der Zitzenstielbovist, und Tulostoma
melanocyclum, der Schwarzbehöfte Stielbovist.
Bestimmungsliteratur: Kr Bd2 abS179 und Bauchpilze
in der BRD (Groß/Runge/Winterhoff)
Die Kollektionen (Exsikkat Armin Groß) waren noch nicht sicher
bestimmte Funde von der Exkursion "Mainzer Sand" 2006.
Hier die beiden Bilder:
Tulostoma brumale Tulostoma melanocyclum
Beide Kollektionen waren relativ stark mit Sand und behaftet. Wegen der
Verschmutzung war die Stieloberfläche schwierig zu beurteilen, trotzdem
war eine schwache braune Schuppung am Stiel der Melanocyclum- Kollektion zu erkennen.
Wegen des kurzen zylindrischen Peristoms kamen bei beiden Kollektionen T. fimbriatum und T. squamosum (>Stiel mit
sparrig braunen Schuppen) nicht in Frage. Ergebnis:
T. brumale: warzige Sporen ca. 4-5ym, Septen oft auf das 2-3fache
erweitert, Capillitium mit kleinen Kristallen.
T. melanocyclum: warzige Sporen ca. 5-6,5 (~7) ym, Septenerweiterung weniger
oft und deutlich schwächer als bei brumale, jedoch vereinzelt auch stärker
bis max 1,5-2fach, Capillitium kaum bzw. nur wenige Kristalle.
Tulostoma. brumale
Tulostoma melanocyclum
capillitium mit Kristallen T. brumale Vergleich melanocyclum-brumale
Substrat: stark vermorschter Laubholz-Ast Die nur ca. 0,5- 2mm großen
weiß bis cremefarbenen Becherchen haben einen
kurzen Stiel und sind an ihrer kompletten Außenseite inkl. Stiel mit feinen
Haaren besetzt. >> Lupe Mikroskopisch:
spindelige Sporen, Paraphysen lanzettlich und
keulige, komplett inkrustierte Haare. Verwechslungsmöglichkeit: Dasycyphus niveus
das Schneeweiße Haarbecherchen (BK1/223), dessen Haare jedoch an der Spitze
glatt und somit nur teilweise inkrustiert sind und Dasyscyphus virgineus>>
siehe Anmerkung 1*
1*Anmerkung: Unsere Bestimmung nach Pilze der Schweiz
passte sehr gut zu Dasysyphus (Lachnum) virgineus BK1/228.
Dank einem Hinweis von Ingo Wagner wissen wir nun, dass es nicht Lachnum
virgineum, sondern Lachnum impudicum oder sogar Lachnum brevipilosum sein
muss (beide in Pilze der Schweiz nicht aufgeführt).
Leider können wir unseren Fund nicht mehr nachprüfen. Lachnum virgineum
besiedelt Äste, Zweige, Stengeln, Bucheckern-Schalen und Zapfen L. impudicum
und L. brevipilosum benötigen im Gegensatz dazu stark vermorschtes Holz, was
bei unserem Fund eindeutig vorhanden war.
Ingo Wagner im Forum
pilzepilze vom 8+11April 2008:
Beide kurzhaarig L. impudicum und L. brevipilosum stehen einander sehr nahe.
Unterschiede zueinander: L. impudicum hat Haken an Ascusbasis, bis 3,5 my
breite Paraphysen ohne lichtbrechende Vakuolen.
L. brevipilosum hat keine Haken, Paraphysen (sporadisch) bis 6 my breit und
gut ausgewachsene Paraphysen haben viele kleine kugelige Vakuolen.
Ossicaulis lignalitis (Syn. clitocybe lignalitis), Holztrichterling oder nach ABV: Bepuderter Holztrichterling.
Bestimmungsliteratur: Pilzkompendium Lu, BK3/168, E. Horak.
Der Altfund vom 12.10.2003 von H. Werner Grass stammt von der PSP- Exkursion Woogbachtal bei Ensheim, MTB: 6708.4. Er wurde bei der PSP Exkursion von H.W. Graß makroskopisch als
Clitocybe lignalitis angesprochen bzw. als solchen vermutet. Was wir
anhand des Exsikkats noch makroskopisch nachvollziehen konnten war der deutlich
laterale Stiel, die gegabelten Lamellen und sein Vorkommen an Holz (>Exsikkatzettel). Sporen: 4-6 x 4-5 ym, rundlich-oval bis tropfenförmig, Schnallen vorhanden,
HDS unregelmäßg verwoben, verzweigt und anastomosierend.
Anmerkung: Obwohl uns keine ausführliche Fundbeschreibung mehr vorliegt, stimmen die
vorhandenen makroskopischen und die mikroskopischen Merkmale relativ gut mit
den Angaben in der Literatur überein.
Da O. lignatilis eine seltene Art ist und wir auch keinen
Nachweis im Atlas der Pilze des Saarlandes gefunden haben, werden wir diesen
Fund an Dr. Johannes Schmitt zur Nachprüfung weitergeben.
Hemitrichia clavata, ein Myxomycet, Literatur: Die Myxomyceten Neubert/Nowotny/Baumann Bd1-S230,
APS Teil2 S415. Atlas Pilze des Saarlandes Teil 2 S415: =gelbes Keulchen,
(sehr selten),
Verbreitung unzureichend bekannt, da wenig beachtet.
Ohne Lupe sahen wir nur kleine gelb-braune Kügelchen nebeneinander in
kleinen losen Gruppen auf Laubholzrinde.
Wir wollten diesen Myxomyceten eigentlich gar nicht bestimmen,
sondern nur unter der Stereolupe betrachten. Als wir die gestielten,
kugelig bis abgeflachten braungelben Sporocarpien sahen, aus denen das
gelbliche Capillitium wie ein Wollknäuel austrat, mussten wir uns auch ihre
Mikromerkmale ansehen. Sporen: im Durchlicht gelb, rundlich mit ca.
8-10 ym Durchmessser mit
feinen Stacheln und in Abhängigkeit vom Medium auch leicht netzartig.
Cappillitien sehen aus wie fest gewickelte
Spiralleisten. Mit Hilfe des Myxomycetenwerkes
von Neubert/Nowotny/Baumann Bd1 S230/231 bestimmten wir ihn vorschnell als Hemitrichia calyculata.
Ein wichtiger Hinweis führte uns zu der sehr ähnlichen Art Hemitrichia clavata. Der wesentliche Unterschied besteht im Stiel, der bei Hemitrichia calyculata sehr
schmal ist und sich markant am Übergang zur Sporocarpie
abgrenzt und im Gegensatz dazu bei H. clavata dicklich ist und übergangslos
in die Sporocarpie übergeht, was bei unserem Fund eindeutig ersichtlich
ist.
Zum Vergleich hier ein Link zu Hemitrichia calyculata (und clavata) ins Netz
http://www.nivicol.de/hemitrichia_calyculata.htm,
wo man zur Unterscheidung die deutlich abgesetzten schmalen Stiele gut erkennen
kann.
Nach Mikromerkmalen und diversen Fotovergleichen und Beschreibungen im
Internet ist unser Fund Hemitrichia clavata.
Hemitrichia clavata Stiel
nicht abgesetzt in Sporocarpie übergehend
Sporen und "Spiralleisten"
Nachträgliche Recherche zu Hemitrichia clavata Groß A:
:
Die Im Atlas der Pilze des Saarlandes T2/S.415 beschriebenen steil
zugespitzten Elateren mit einem leicht kopfig bis zitzenartigem Abschluss
konnte ich bei nachträglicher Überprüfung auch beobachten. Nicht nachvollziehen
konnte ich die im APS/S.415 erwähnten "keuligen Sporen" Unsere Sporen
waren alle rund bzw. einzelne rundlich. Eine
für mich interessante Beobachtung war jedoch das keilförmige Aufplatzen der
Sporen nach längerer Verweildauer im Präparat und nochmaliger Quetschung.
Nach dem Aufplatzen quellten die Sporen auf und wurden länglicher. Diese Reaktion
konnten wir alle auch bei unserem Treffen in Thailen beobachten. Hierzu noch
einige nachträglich erstellte Bilder:
Sporen, Spiralleisten, Elateren
Aufgeplatzte Sporen
Kleine, mit bloßem Auge kaum sichtbare, rote ca. 0,2cm große
Fruchtkörperchen mit deutlicher Papille.
Aufsitzend auf einem 2cm dicken Buchenast mit Diatrybe stigma.