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Mikroskopiertreffen vom 13.-15. Februar 2008
im Gasthaus Schmitt in Thailen
 
Teilnehmer:
Hans- Werner Graß, Willi Marchina, Armin Nilles, Winfried Schmitt, Peter Barth, Armin Groß, und Rita Kallfelz
 
Unsere Mikroskopiertage zwischen Winter und zumindest gefühltem Frühlingserwachen waren sehr angenehm und mikroskopisch recht erfolgreich. 
Wir überprüften einige persönliche Altlasten, noch nicht bestimmte Funde von unserer Exkursion 2006 aus dem  Mainzer Sand und Frischmaterial von unserer Kurzexkursion bei Thailen, was im Pilzjargon gelegentlich als "Dreck am Stecken" bezeichnet wird. Unsere Vereinswirtin Karla sorgte wie immer bestens für unserer leibliches Wohl, so dass es uns an den 3 Tagen an nichts fehlte.
x_arbeit.jpg           x_ekxursion.jpg                x_expressionen.jpg 
   Bei der Arbeit                      Pilzlerblick: Immer nach unten          Impressionen von Rita Kallfelz
 
Bearbeitete Funde:
Geastrum schmidelii, der Kleine Erdstern, im Vergleich zu Geastrum pectinatum, dem Kamm-Erdstern, beide aus dem Mainzer Sand.
Hintergrund war der nicht unberechtigte Einwand, dass auf unserem Exsikkat-Foto von G. schmidelii (>Bericht Mainzer Sand 2006) am Grunde der Endoperidie zumindest auf einer Seite eine Längs-Rippung bzw. -Furchung ersichtlicht  ist.  Diese Längs-Rippung deutet nach Literatur eher auf G. pectinatum als auf schmidelii hin. Literatur: Kr Bd 2 S106+114, und Bauchpilze in der BRD Groß/Runge/Winterhoff S52.
 
t_schmidelii_1a.jpg
Teilweise Längs-Rippung am Grunde der Endoperidie am Exsikkat
 
Ergebnis:
Unsere mikroskopische Nachprüfung ergab eindeutig Geastrum schmidelii und bestätigte die makroskopische Erstbestimmung 2006 von Daniel Groß. Wir verglichen dabei G. schmidelii mit G. pectinatum  (Exsikkat Peter Barth).
G.schmidelii: Sporen rundlich ca.4-5(5,5)ym, warzig, Ornamentation ca. 0,2-0,6ym
G. pectinatum: Sporen: ca. 4-6 (7)ym, gratförmig warzig, Ornamentation ca.0,5-1,3 (~1,5) ym. Diese 1,5ym entspricht der max. Angabe bei D.N. Pegler "British Puffballs, Earthstars and Stinkhorns /1995 Seite 90-91"
Wie in der Literatur übereinstimmend beschrieben, hatte G. schmidelli im Schnitt um ca. 1ym kleinere Sporen und vor allem eine eindeutig kleinere Ornamentation als unser Vergleichs-Exsikkat pectinatum. Nicht nur die Länge der Warzen waren bei pectinatum um ca. 0,5-1ym größer als bei schmidelii, sondern zudem waren die Warzen bei pectinatum eindeutig gratförmig abgeplattet, was bei schmidelii nicht festzustellen war. Interessant war auch die keil- bis trapezförmige Form einiger Warzen (Schmitt Winfried), die exakt der Abbildung bei D.N. Pegler entsprach.
                                                                                                                                                                                           Ausführlichere Details siehe hier
a1_geastrum_schmidelii_mik7_gagw.jpg      a2_geastrum_schmidelii_mik1_ga.jpg                                    a3_vergleich_pect_schmid.jpg
Sporen schmidelii schwach warzig                                       pectinatum stärker warzig                    Vergleich pectinatum links -schmidelii rechts
                                                                                                                                                                         pectinatum mit eindeutig längeren Warzen
                                                                                                                         
Tulostoma brumale, der Zitzenstielbovist, und Tulostoma melanocyclum, der Schwarzbehöfte Stielbovist.
Bestimmungsliteratur: Kr Bd2 abS179 und Bauchpilze in der BRD (Groß/Runge/Winterhoff)
 
Die Kollektionen (Exsikkat Armin Groß) waren noch nicht sicher bestimmte Funde von der Exkursion "Mainzer Sand" 2006. Hier die beiden Bilder:
a1_geastrum_schmidelii_mik7_gagw.jpg    a1_geastrum_schmidelii_mik7_gagw.jpg
Tulostoma brumale      Tulostoma melanocyclum
 
Beide Kollektionen waren relativ stark mit Sand und behaftet. Wegen der Verschmutzung war die Stieloberfläche schwierig zu beurteilen, trotzdem war eine schwache braune Schuppung am Stiel der Melanocyclum- Kollektion zu erkennen.
Wegen des kurzen zylindrischen Peristoms kamen bei beiden Kollektionen T. fimbriatum und T. squamosum (>Stiel mit sparrig braunen Schuppen) nicht in Frage.
Ergebnis:
T. brumale: warzige Sporen ca. 4-5ym, Septen oft auf das 2-3fache erweitert, Capillitium mit kleinen Kristallen.
T. melanocyclum: warzige Sporen ca. 5-6,5 (~7) ym, Septenerweiterung weniger oft und deutlich schwächer als bei brumale, jedoch vereinzelt auch stärker bis max 1,5-2fach, Capillitium kaum bzw. nur wenige Kristalle.
 b1_tulostoma_brumale_1_ga.jpg                                                        b3_tulostoma_brumale_mik1_ga.jpg                       vergleich_mela_brum.jpg
Tulostoma. brumale                                Tulostoma melanocyclum                                   capillitium mit Kristallen T. brumale          Vergleich melanocyclum-brumale
2-3fache Septenerweiterung               Septenerweiterung schwächer
 
Bzgl. Septenerweiterung und Kristallen gibt es bei uns kleine Abweichungen zum Schlüssel Kr. Bd2 S 183, dazu hier noch einige Anmerkungen.
 
Parallel zu den beschriebenen  Funden wurde ein weiteres Exsikkat T. melanocyclum von Peter Barth mit den gleichen Ergebnissen überprüft.
Eine zusätzliche Überprüfung von T. fimbriatum durch Peter Barth und Winfried Schmitt bestätigte die makroskopische Erstbestimmung.
 

Lachnum impudicum oder Lachnum brevipilosum (..weiße Haarbecherchen).
Fund: Barth Peter, Exkursion 14.02.2008, Thailen, MTB 6407.3 Überprüft: Groß, Schmitt >> Berichtigt von Ingo Wagner >>siehe Anmerkung 1*
Substrat: stark vermorschter Laubholz-Ast
Die nur ca. 0,5- 2mm großen weiß bis cremefarbenen Becherchen haben einen kurzen Stiel und sind an ihrer kompletten Außenseite inkl. Stiel mit feinen Haaren besetzt. >> Lupe
Mikroskopisch: spindelige Sporen, Paraphysen lanzettlich und keulige, komplett inkrustierte Haare.
Verwechslungsmöglichkeit: Dasycyphus niveus das Schneeweiße Haarbecherchen (BK1/223), dessen Haare jedoch an der Spitze glatt und somit nur teilweise inkrustiert sind und Dasyscyphus virgineus>> siehe Anmerkung 1*
         e1_lachnum_spec_ga.jpg                e2_lachnum_spec_ga.jpg         e3_lachnum_spec_ga.jpg                 e4_lachnum_spec_ga.jpg
Lachnum impudicum oder brevipilosum          Spindelige Sporen      keulige, komplett inkrustierte Haare      Paraphysen lanzettlich               

1*Anmerkung:
Unsere Bestimmung nach Pilze der Schweiz passte sehr gut zu Dasysyphus (Lachnum) virgineus BK1/228.
Dank einem Hinweis von Ingo Wagner wissen wir nun, dass es nicht Lachnum virgineum, sondern Lachnum impudicum oder sogar Lachnum brevipilosum sein muss (beide in Pilze der Schweiz nicht aufgeführt).
Leider können wir unseren Fund nicht mehr nachprüfen. Lachnum virgineum besiedelt Äste, Zweige, Stengeln, Bucheckern-Schalen und Zapfen L. impudicum und L. brevipilosum benötigen im Gegensatz dazu stark vermorschtes Holz, was bei unserem Fund eindeutig vorhanden war.  
Ingo Wagner
im Forum pilzepilze vom 8+11April 2008:
Beide kurzhaarig L. impudicum und L. brevipilosum stehen einander sehr nahe. Unterschiede zueinander: L. impudicum hat Haken an Ascusbasis, bis 3,5 my breite Paraphysen ohne lichtbrechende Vakuolen.
L. brevipilosum hat keine Haken, Paraphysen (sporadisch) bis 6 my breit und gut ausgewachsene Paraphysen haben viele kleine kugelige Vakuolen.
 
 
 
Ossicaulis lignalitis (Syn. clitocybe lignalitis), Holztrichterling oder nach ABV: Bepuderter Holztrichterling.
Bestimmungsliteratur: Pilzkompendium Lu, BK3/168, E. Horak.
 
Der Altfund vom 12.10.2003 von H. Werner Grass stammt von der PSP- Exkursion  Woogbachtal bei Ensheim,  MTB: 6708.4.
Er wurde bei der PSP Exkursion von H.W. Graß makroskopisch als Clitocybe lignalitis angesprochen bzw. als solchen vermutet.
Was wir anhand des Exsikkats noch makroskopisch nachvollziehen konnten war der deutlich laterale Stiel, die gegabelten Lamellen und sein Vorkommen an Holz (>Exsikkatzettel).
Sporen: 4-6 x 4-5 ym, rundlich-oval bis tropfenförmig, Schnallen vorhanden, HDS unregelmäßg verwoben, verzweigt und anastomosierend.
Anmerkung: Obwohl uns keine ausführliche Fundbeschreibung mehr vorliegt, stimmen die vorhandenen makroskopischen und die mikroskopischen Merkmale relativ gut mit den Angaben in der Literatur überein.
Da O. lignatilis eine seltene Art ist und wir auch keinen Nachweis im Atlas der Pilze des Saarlandes gefunden haben, werden wir diesen Fund an Dr. Johannes Schmitt zur Nachprüfung weitergeben.
 
Hemitrichia clavata, ein Myxomycet, Literatur: Die Myxomyceten Neubert/Nowotny/Baumann Bd1-S230, APS Teil2 S415.
Atlas Pilze des Saarlandes Teil 2 S415: =gelbes Keulchen, (sehr selten), Verbreitung unzureichend bekannt, da wenig beachtet.
 
Fund: 12.02.2008, Armin Groß, (Exsikkat) Marpingen, Härtelwald, MTB 6508.1, Bestimmer: Armin Groß.
Ohne Lupe sahen wir nur kleine gelb-braune Kügelchen nebeneinander in kleinen losen Gruppen auf Laubholzrinde.
Wir wollten diesen Myxomyceten  eigentlich gar nicht bestimmen, sondern nur unter der Stereolupe betrachten. Als wir die gestielten, kugelig bis abgeflachten braungelben Sporocarpien sahen, aus denen das gelbliche Capillitium wie ein Wollknäuel austrat, mussten wir uns auch ihre Mikromerkmale ansehen.  
Sporen: im Durchlicht gelb, rundlich mit ca. 8-10 ym Durchmessser mit feinen Stacheln und in Abhängigkeit vom Medium auch leicht netzartig.
Cappillitien sehen aus wie fest gewickelte Spiralleisten. Mit Hilfe des Myxomycetenwerkes von Neubert/Nowotny/Baumann Bd1 S230/231 bestimmten wir ihn vorschnell als Hemitrichia calyculata. Ein wichtiger Hinweis führte uns zu der sehr ähnlichen Art Hemitrichia clavata. Der wesentliche Unterschied besteht im Stiel, der bei Hemitrichia calyculata sehr schmal ist und sich markant am Übergang zur Sporocarpie abgrenzt und im Gegensatz dazu bei H. clavata dicklich ist und übergangslos in die Sporocarpie übergeht, was bei unserem Fund eindeutig ersichtlich ist.
Zum Vergleich hier ein Link zu Hemitrichia calyculata (und clavata) ins Netz  http://www.nivicol.de/hemitrichia_calyculata.htm, wo man zur Unterscheidung die deutlich abgesetzten schmalen Stiele gut erkennen kann.
Nach Mikromerkmalen und diversen Fotovergleichen und Beschreibungen im Internet ist unser Fund Hemitrichia clavata.
hemitrichia_calyculata_1_ga.jpg         hemitrichia_calyculata_2_ga.jpg          
Hemitrichia clavata                 Stiel nicht abgesetzt in Sporocarpie übergehend        Sporen und "Spiralleisten"
 
Nachträgliche Recherche zu Hemitrichia clavata Groß A: :
Die Im Atlas der Pilze des Saarlandes T2/S.415 beschriebenen steil zugespitzten Elateren mit einem leicht kopfig bis zitzenartigem Abschluss konnte ich bei nachträglicher Überprüfung auch beobachten. Nicht nachvollziehen konnte ich die im APS/S.415 erwähnten "keuligen Sporen" Unsere Sporen waren alle rund bzw. einzelne rundlich. Eine für mich interessante Beobachtung war jedoch das keilförmige Aufplatzen der Sporen nach längerer Verweildauer im Präparat und nochmaliger Quetschung. Nach dem Aufplatzen quellten die Sporen auf und wurden länglicher. Diese Reaktion konnten wir alle auch bei unserem Treffen in Thailen beobachten. Hierzu noch einige nachträglich erstellte Bilder:   

                                        Sporen, Spiralleisten, Elateren                                                                                              Aufgeplatzte Sporen
 
 
 
Hypochnicium bombyccinum, seidiger Rindenpilz, Literatur: BK2-Nr132,
Atlas Pilze des Saarlandes Teil 2 S448: =Fleischige Rauhaut:, (sehr selten), Verbreitung unzureichend bekannt, da wenig beachtet.
 
Fund: Groß A. (Exsikkat) Exkursion 14.02.2008, Thailen, MTB 6407.3, Bestimmer: Marchina, Groß, Barth.
Substrat: berindetes Laubholz, resupinat, ca. 5x2 cm, 0,3mm dick, schwach uneben rau, cremefarben.
Mikro: Sporen oval, dickwandig, 8x11ym  cyanophil (>Marchina), Hyphen mit Schnallen.
hypochnycium__bombicinum_ga.jpg              hypochnycium__bombicinum_mik2_ga.jpg       hypochnycium__bombicinum_mik1_ga.jpg
Hypochnicium bombyccinum                  Sporen                             Schnallen
 

Ciboria causus (amantacea), Erlenkätzchenbecherling, Literatur: BK1-Nr146
Atlas Pilze des Saarlandes Teil2: S280 (sehr selten), Verbreitung unzureichend bekannt, da wenig beachtet.
 
Fund: Mehrere Exemplare von allen Exkursionsteilnehmern am 14.02.02, Thailen, MTB 6407.3.
Auf feuchter Erde an männlichen Erlenkätzchen neben Bachlauf.
Mikromerkmale (Rita Kallfelz) wie angegeben in BK1-Nr146.
f1_ciboria_causus_kr.jpg  f2_ciboria_causus_kr.jpg
Ciboria causus
Nectria episphaeria, Aufsitzender Pustelpilz oder APS: Kohlenbeerenpustelpilz,  Literatur: BK1-Nr 327
Atlas Pilze des Saarlandes Teil2: S535 (sehr selten), Verbreitung unzureichend bekannt, da wenig beachtet.
 
Fund: Nilles Armin, Exkursion 14.02.2008, Thailen, MTB 6407.3,  Bestimmer: Nilles, Schmitt, Graß, Marchina. Exsikkat und Foto Armin Nilles.
Kleine, mit bloßem Auge kaum sichtbare, rote ca. 0,2cm große Fruchtkörperchen mit deutlicher Papille.
Aufsitzend auf einem 2cm dicken Buchenast mit Diatrybe stigma.
Mikroskopisch: Asci achtsporig, unseriat. Sporen spindelig, querseptiert, leicht eingeschnürt

Nectria epishaeria
 
Unbestimmt blieb ein kleiner Becherling, wahrscheinlich auf Birkenkätzchen (eventuell auch Hainbuche), siehe Foto.

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Bilder-Copyright: Groß=ga, Grass=gw,Schmitt=sw,Nilles=na,Marchina=mw,Barth=bp, Kallfelz=kr
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