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Exkursion Kollesleuken bei Freudenburg am 10. April 2008
 

Dieser Exkursionsbericht wurde 2008 prov. erstellt und im Januar 2020 überarbeitet.

Exkursionsort: Kollesleuken (Grenzbereich Saarland / Rheinland-Pfalz)
Exkursionsgebiet: Kollesleukener Schweiz MTB 6405.3
Datum: 10. April 2008
Exkursionsleiter: Hans-Werner Graß
Teilnehmer: Hans-Werner Graß, Willi Marchina, Winfried Schmitt, Armin Nilles, Peter Barth, Willi Werth, Armin Groß

 

Lichenomphalia umbellifera  (L.) Redhead, Lutzoni, Moncalvo & Vilgalys 2002  Gefalteter Flechtennabeling 
(= Gerronema ericetorum, Omphalia ericetorum, Phytoconis ericetorum  ca. 50 Synonyme in Index fungorum !!)
Fundbeschreibung: siehe auch Bilder
Wir fanden die Fruchtkörper in großer Anzahl auf einem Felsen zusammen mit Moos und Flechten. Hut ca.1,5-2,5 cm, Stiel 1,5-2,5 x 2-3mm Alle Fruchtkörper waren farblich einheitlich blassgelb-zitronengelb !!. Wenn man von einzelnen alten Fruchtkörpern mit bräunlicher Lamellenschneide absieht, waren alle Exemplare ohne jegliche Brauntöne. Die Lamellen waren jung weniger stark bis alt stark herablaufend, ziemlich weitständig, mit 1-2 Zwischenlamellen und auch teilweise gegabelt. Der Hut der jungen Fruchtkörper war kaum genabelt, matt, durchscheinend gerieft mit einem grob gewellt-gekerbten Rand. Auffallend war das creme-weißliche Ausblassen des Hutes (>Bild).
Nachbetrachtung / Fazit Jan. 2020: A. Groß:
Ein bemerkenswerter Fund (für uns), den wir vor Ort als Gefalteter Flechtennabeling Phytoconis (= Gerronema) ericetorum ansprachen, der aber bei der Erstbearbeitung einige Fragen offen lies.
Bei einer Erstbearbeitung 2008 von Hans Werner Graß und Armin Groß passten die mikroskopischen Ergebnisse nicht zu Lichenomphalia umbellifera (G.ericetorum), bezogen auf die Angaben in "Pilze der Schweiz".
Die makroskopischen Abbildungen der sehr breitelliptischen Sporen in "Pilze der Schweiz" zu Gerronema ericetorum (= Lichenomphalia umbellifera) BK3-Nr212 entsprachen nicht unseren Sporen, die überwiegend schmaler, aber auch viel variabler waren in Form und Größe. Beim Vergleich mit Ludwig Erhard, der die Sporen sehr variabel abbildet und beschreibt, traf das auf unseren Fund schon besser zu.
Interessant war auch ein  mikroskopischer Vergleich mit einem vorhandenen L. ericetorum-  Exsikkat  (A._Groß /Kell 2005). Hier passten die Sporen sehr wohl zu den Angaben in "Pilze der Schweiz". Die große Sporenvariabilität, wie abgebildet und beschrieben  bei Ludwig Erhardt, kommt sehr wahrscheinlich durch (1) 2- 4sporige Basidien. Zweisporige Basidien waren auch bei unseren  Funden vorhanden.
Wie die meisten Fotos und Zeichnungen in der Literatur, bildet aber auch Ludwig Erhard alle Varianten mit einem +/- Braunton ab, die zu unseren blassgelben- zitronengelben Fruchtkörpern eher nicht gut passten. Jedoch in der Beschreibung verweist L. Erhard  auf  eine große Farbvielfalt mit gelblich bis weißlichen Farben. Eine Abbildung auf der Titelseite des Tintling Nr. 119 - 3/2019 trifft sehr gut auf zu unsere Pilze zu.
 
Für die anderen gelblichen Flechtennabelinge wie L. hudsonianum  (L, luteovitellina ?) und L.alpinum ist das Vorkommen im alpinen / subalpinen  Bereich  ein klares K.o.Kriterium, weil unser Fundort bei ca. 250m liegt. 
 
Auch Omphalina grossula, der Gelbgrüne Nabeling, der nicht zu den Flechtennabelingen gehört, und sich schon in diversen Gattungen herumgetrieben hat, soll nicht unerwähnt bleiben, weil in der Lit. + Internet sehr ähnliche Farbbvarianten wie bei unserem Fund abgebildet sind. Sogar die Sporen (und frisch mit einem Wassertropfen) sind ähnlich, aber das Vorkommen auf Holz/Rinde passt nicht zu unserem Felsen mit Moos und Flechten. Obwohl er ein Herbst-Winterpilz ist, soll er in milden Wintern sogar bis in den März  vorkommen (Kr BAWü3-S483).
 
Fazit: Trotz unserer vollkommen blassgelben bis zitronengelben Formen, ohne braunrote Anteile, sowie der variablen Sporen kommt außer  Lichenomphalia umbellifera  nichts in Frage.
 
Ein wichtiges Bestimmungsmerkmal, der Typ der Flechtenlager, das in der Literatur einheitlich* den verschiedenen Arten zugeordnet wird, war uns vor Ort nicht bewusst. Für Lichenomphalia umbellifera besteht das Flechtenlager aus dem Botrydinia-Typ und für die anderen alpinen/subalpinen Flechtennabelinge wird der Coriscium- Typ (Thallus-grüne Blättchen) ausgewiesen.
In der Tintlingsausgabe Nr.119 /3-2019 sind auf Seite 78 die kleinen grünen kugeligen  Flechtenlager zu Lichenomphalia umbellifera vom Botrydina-Typ abgebildet (Stereolupe- Wolfgang Kaiser).
Eine erneute Exkursion der Kahlköpfe nach Kollessleuken könnte uns eventuell Klarheit über das Flechtenlager schaffen und unser Ergebnis absichern.
 * Aber auch hier gibt es, wenn ich das richtig verstanden habe, Einschränkungen in der Lit.  (>Artikel W. Seitz.1965-Dreiländertagung  Klagenfurt: O. ericetorum (Fries) M.Lange - coriscium viride  / in den Allgäuer Alpen)
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Pseudoplectania nigrella
Der ungestielte Schwarzborstling, den wir an einer sandigen Böschung fanden, konnten wir vor Ort nicht benennen. Er ist bräunlich-schwarz mit einem filzig-haarigen Rand.
Er wurde von Winfried Schmitt makroskopisch und mikroskopisch bestimmt.
Details zur Bestimmung sind von W. Schmitt in einer Text-Datei zusammengefasst. >> Siehe Link beim Fototext.

a_teilnehmer_1.jpg
a_teilnehmer_1
KKExK. Kollesleuken 10. April 2008
Grenzbereich Saarland / Rheinland-Pfalz
MTB 6405.3
a_teilnehmer_2.jpg
a_teilnehmer_2
KKExK. Kollesleuken 10. April 2008
Grenzbereich Saarland / Rheinland-Pfalz
MTB 6405.3
corticiaceae_spec_ga.jpg
corticiaceae_spec_ga
KKExK. Kollesleuken 10. April 2008
Diese unbekannte Corticiaceae (?)
wurde nicht weiter untersucht.
dasyscyphus_virgineus_cf_ga.jpg
dasyscyphus_virgineus_cf_ga
Weißes Haarbecherchen
KKExK. Kollesleuken 10. April 2008
Im Frühling auf Bucheckern-Schalen.
Dieses Haarbecherchen auf Bucheckern-Schale wurde
mikrosk. nicht überprüft.
Der Fruchtschalen-Becherling Hymenoscyphus fructigenus,
der im Sommer-Herbst vorkommt, besitzt keine Haare.
Dasyscyphus niveus hat etwas größere Fruchtkörper
und eine weiß bis cremefarbene Fruchtschicht.
lichenomphalia_umbellifera_ga1.jpg
lichenomphalia_umbellifera_ga1
Gefalteter Flechtennabeling
KKExK. Kollesleuken 10. April 2008
MTB: 6405.3, auf 250 Höhenmeter
In großer Anzahl auf einem Felsen mit Moos und Flechten.
Alle Fruchtkörper vollkommen blassgelb-zitronengelb ( !)
ohne bräunliche oder rötliche Farbanteile.
Das Flechtenlager (müsste für l.umbellifera vom botrydina
Typ sein) wurde vor Ort nicht überprüft.
Mikroskopisch passt die Sporenform in BK3-212
nicht auf unseren Fund. Bei Erhard Ludwig passen die sehr
variabel abgbildeten Sporen eindeutig besser. Die Abbildungen
bei E. Lu haben immer einen braunrot Anteil, wie auch fast alle
Abb. in der Lit. und im Internet.
Details zu unserem Fund siehe weitere Bilder und Beschreibung .
lichenomphalia_umbellifera_ga2.jpg
lichenomphalia_umbellifera_ga2
Gefalteter Flechtennabeling
KKExK. Kollesleuken 10. April 2008
MTB: 6405.13, auf 250 Höhenmeter
Vollkommen blassgelb-zitronengelb !
Herablaufende Lamellen, mit 1-(2) Zwischenlamellen,
teilweise gegabelt und ca. 2/3 durchscheinend gerieft,
lichenomphalia_umbellifera_ga3.jpg
lichenomphalia_umbellifera_ga3
Gefalteter Flechtennabeling
KKExK. Kollesleuken 10. April 2008
MTB: 6405.13, auf 250 Höhenmeter
auf einem Felsen mit Moos und Flechten
lichenomphalia_umbellifera_ga4.jpg
lichenomphalia_umbellifera_ga4
Gefalteter Flechtennabeling
KKExK. Kollesleuken 10. April 2008
MTB: 6405.13, auf 250 Höhenmeter
auf einem Felsen mit Moos und Flechten
lichenomphalia_umbellifera_ga5.jpg
lichenomphalia_umbellifera_ga5
Gefalteter Flechtennabeling
KKExK. Kollesleuken 10. April 2008
MTB: 6405.13, auf 250 Höhenmeter
auf einem Felsen mit Moos und Flechten
lichenomphalia_umbellifera_ga6.jpg
lichenomphalia_umbellifera_ga6
Gefalteter Flechtennabeling
KKExK. Kollesleuken 10. April 2008
MTB: 6405.13, auf 250 Höhenmeter
Die Fruchtkörper befanden sich auf dem unteren
Felsenbereich über der Bank
lichenomphalia_umbellifera_ga7.jpg
lichenomphalia_umbellifera_ga7
Gefalteter Flechtennabeling
KKExK. Kollesleuken 10. April 2008
Sporen ca. 7-10 (11) x 5-7, sehr variabel*
in Größe und Form, frisch mit Wassertropfen.
*Basidien 4 und 2 (1?) sporig
Entspricht gut E. Ludwig Bd 55.13 jedoch nicht der Abb.
in Pilze der Schweiz BK3-212. (zu breitelliptisch).
Dies Aufnahmen sind vom Original-Fund und Zweitbegehung
3 Tage später (ga)
lichenomphalia_umbellifera_ga8.jpg
lichenomphalia_umbellifera_ga8
Gefalteter Flechtennabeling
KKExK. Kollesleuken 10. April 2008
Basidien
lichenomphalia_umbellifera_ga9.jpg
lichenomphalia_umbellifera_ga9
Gefalteter Flechtennabeling
KKExK. Kollesleuken 10. April 2008
Kaulozystiden.
Keine Abbildungen in der Lit. (?), jedoch spricht
Erhad Ludwig von: Stiel feinst flaumig-haarig (Lupe).
Bei BK 3-213 sind die Kaulozyst. zu dem alpinen Flechtennabeling
L. (Gerronema) hudsonanium ähnlich abgebildet.
lichenomphalia_umbellifera_ga9a.jpg
lichenomphalia_umbellifera_ga9a
Gefalteter Flechtennabeling
KKExK. Kollesleuken 10. April 2008
HdS: verflochtenene Hyphen ohne Schnallen
>> leider keine keine aussagefähige Aufnahme vorhanden.
lichenomphalia_umbellifera_ga9b_lu_bk.jpg
lichenomphalia_umbellifera_ga9b_lu_bk
Gefalteter Flechtennabeling
Hier die recht unterschiedlichen Sporenabbildungen
bei E. Ludwig und BK, die wahrscheinlich,
wie bei LU erwähnt, durch die variablen Arten mit
2 und 4sporigen Basidien herrühren.
Ein Untersuchung eines alten Exikkats (Groß A. Kell /2004 (?).
zu L. umbellifera (ericetorum) zeigten sehr wohl die Sporen
wie abgebildet bei BK.
lichenomphalia_umbellifera_x1_ga.jpg
lichenomphalia_umbellifera_x1_ga
Gefalteter Flechtennabeling
KKExK. Kollesleuken 10. April 2008
Hut hell ausblassend
lichenomphalia_umbellifera_x2_ga.jpg
lichenomphalia_umbellifera_x2_ga
Gefalteter Flechtennabeling
KKExK. Kollesleuken 10. April 2008
Das wichtige Flechtenlager wurde vor Ort nicht untersucht.
Für L. umbellifera müsste es vom Botrydyna-Typ sein.
Siehe Tintling Nr. 119 3/2019: kleine grüne Kügelchen (Stereolupe)
>> eine erneute Exkursion nach Kollesleuken mit Überprüfung
der Flechten könnte unsere Bestimmung absichern.
Hinweis: die Flechte oben links gehört jedoch zu der
Braunen Köpfchenflechte (?) >> siehe sep. Foto nachfolgend
lichenomphalia_umbellifera_x3_ga.jpg
lichenomphalia_umbellifera_x3_ga
Gefalteter Flechtennabeling
KKExK. Kollesleuken 10. April 2008
phaeotremella_foliacea_ga1.jpg
phaeotremella_foliacea_ga1
Blattartiger Zitterling
KKExk Kollesleuken, 10.04.2008
Frühere Gattung Tremella
phaeotremella_foliacea_ga2.jpg
phaeotremella_foliacea_ga2
Blattartiger Zitterling
KKExk Kollesleuken, 10.04.2008

Frühere Gattung Tremella
plicatura_crispa_ga.jpg
plicatura_crispa_ga
Krauser Adernzähling
KKExk Kollesleuken, 10.04.2008
pseudoplectania_nigrella_ga1.jpg
pseudoplectania_nigrella_ga1
Ungestielter Schwarzborstling
KKExk 10.04.2008,
Kollesleuken, sandige Wegböschung
det. Winfried Schmitt
Runde Sporen, mehrfach septierte fädige Paraphysen
mit gegabelten Spitzen. filzig verwobene Haare.
Mikroskopische Ergebnisse siehe nachfolgende Fotos
> Details siehe Textdatei von Winfried. Schmitt:
Textdatei (.txt, 1 KB)
pseudoplectania_nigrella_ga2.jpg
pseudoplectania_nigrella_ga2
Ungestielter Schwarzborstling
KKExk 10.04.2008,
Kollesleuken, sandige Wegböschung
Nachträgliche Aufname zu Hause
pseudoplectania_nigrella_sw1.jpg
pseudoplectania_nigrella_sw1
Ungestielter Schwarzborstling
KKExk 10.04.2008, Kollesleuken
Mikroufnahme Winfried Schmitt:
Häufig septierten Paraphysen, an der Spitze verzweigt.
pseudoplectania_nigrella_sw2.jpg
pseudoplectania_nigrella_sw2
Ungestielter Schwarzborstling
KKExk 10.04.2008, Kollesleuken
Mikroufnahme Winfried. Schmitt:
Runden Sporen. Aus einem Ascus sind gerade
4 Sporen herausgedrückt, währen die restlichen
4 noch im Ascus sind.
pseudoplectania_nigrella_sw3.jpg
pseudoplectania_nigrella_sw3
Ungestielter Schwarzborstling
KKExk 10.04.2008, Kollesleuken
Mikroufnahme Winfried Schmitt:
Schwarze, verwobene Haare ohne viele Septen.
schizophyllum_comune_ga.jpg
schizophyllum_comune_ga
Spaltblättling
KKExk Kollesleuken, 10.04.2008

stecherinum_ochraceum_ga1.jpg
stecherinum_ochraceum_ga1
Ockerrötlicher Resupinatstacheling
KKExk Kollesleuken, 10.04.2008

Dieser Resupinatstacheling sieht man reltativ oft auf
Ästen und Stämmen.
S. robustius, eine sehr ähnliche Art mit etwas längeren
Stacheln, ist selten und haben wir noch nicht gefunden.
stecherinum_ochraceum_ga2.jpg
stecherinum_ochraceum_ga2
Ockerrötlicher Resupinatstacheling
KKExk Kollesleuken, 10.04.2008
x_braune_koepfchenflechte_s.l._ga.jpg
x_braune_koepfchenflechte_s.l._ga
KKExk Kollesleuken, 10.04.2008

Diese Braune Köpfchenflechte gehört wahrscheinlich
zu Baeomyces rufus. Die genaue Einordnung
überlassen wir gerne den Spezialisten.
x_mahlzeit_ga.jpg
x_mahlzeit_ga
Diese beide Räuber haben wahrscheinlich "blitzschnell"
zugeschlagen, so dass der arme Frosch keine Zeit
hatte zu entkommen.

Bilder-Copyright: Groß A: ga / Schmitt W: sw / Graß HW: gw / Nilles A:na / Barth P:bp / Marchina W: mw / Kallfelz R: kr /Groß D.:gd /Gerstner D.: gdi
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